Rezension zu „Die Vogelinsel“

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Die-Vogelinsel1„Mein Vater ist nicht mehr da. Er ging, als der Sommer zu Ende war.“ Das steht schon auf der zweiten Seite des Romans „Die Vogelinsel“ von Werner Heickmann. In diesem Zwei-Stunden-Büchlein wird ein Sommer erzählt, an dessen Anfang der 12jährige Hinnerk eine Postkarte von seinem Vater bekommt; auf der Vorderseite ein weißes Haus im Sand, auf der Rückseite: “Mir geht es gut. Vater.“ Und als der Sommer zu Ende geht, schlägt Hinnerks Herz noch immer wie ein Pendel – aber anders.

Irgendwann hatte sein Vater von einer Vogelinsel „flussabwärts“ gesprochen. Er wird sie suchen müssen, mit Paul. Der hat auch keinen Vater. Jeden Morgen bringt die Einsamen eine Fähre zur Schule.

Unmerklich und wortkarg entwickelt sich eine Freundschaft, in der  Falken, die die beiden vom Glockenturm aus beobachten, sich in ihre Gedanken einnisten. Hinnerk bewahrt auch eine Feder auf, wie damals mit Vater.

„Menschen sind vielleicht wie Zugvögel“, denkt Hinnerk und es packt ihn die Wut, als er bemerkt, dass seine Mutter sich die Haare färbt, die Lippen nachzieht und von ihrem „Exmann“ spricht. „So werden aus Vater zwei Buchstaben. Ein Ex ist er. Eine ausgestorbene Art.“, bricht es aus ihm heraus.

Für die geduldlosen Handy-SMSlein-Blitzleser werden die Seiten 56, 57 und vier Zeilen der Seite 58 zum Langsamlesen empfohlen.

Hinnerk und Paul paddeln flussabwärts, landen auf einer Insel und finden eine Hütte, in der ein Falkner einen Falken trainiert und den man vieles fragen kann: Ob er Ersatzvater für junge Falken sei und ob er wisse, wo ein weißes Haus stehe.

Sätze wie in Balken geritzt – kurz, klar, tief, verletzend, tröstlich. Dazwischen stürzen Falken in den Himmel, kehren zurück und lassen sich über den Kopf streicheln, wie damals Vater.

„Das Liebste soll man gut behandeln“- ein Satz von Seite 86, das wär doch was für `ne SMS.